Tales of Tamar III

Zur Feier des Tages


Hoch die Tassen und herbei den Braten, es gibt zu Feiern! So höret her, was es zu verkünden gibt. Die Familie derer von Myrad'is verleiht dem hochgeschätzten Baron Nevin von Weinheimer ein Lehen. So kommet alle zu dieser Feier und laßt es Euch gut gehen.

Höret und leset. So, oder so ähnlich lauteten die Flugblätter, die an jedem Baume und auf jedem Abort im Lande verteilt waren. Ein großes Fest sollte stattfinden, und das werte Volk war eingeladen, mit dem Baron zusammen auf seiner Burg zu feiern. Und so zogen Freunde, Fremde und alte Bekannte zu der Veranstaltung.









Die Feste war stattlich anzusehen, hoch an einem Berg gelegen und von einem verschneiten Wald umringt. Die Gäste bezogen ihre Quartiere und versammelten sich in einem gemütlichen Zimmer, um auf die Ereignisse zu warten, die noch kommen sollten. Später am Abend war es dann auch soweit und der Hausherr trat in Erscheinung.
Ein Baron, wie er im Buche steht. Edle Erscheinung, eine noble Gewandung, aber etwas ergrautes Haar. So dsnn wurde ihm von Nikodemus Myrad'is eine Urkunde zur Übernahme des Lehens um die Burg überreicht. Nevin von Weinheimer bedankte sich und nahm die Glückwünsche der Gäste entgegen. Auch nahm er bereitwillig die, meist alkoholhaltigen, Geschenke der oftmals weit gereisten Anwesenden in Empfang.
Von einfachen Flaschen bis hin zu einem Faß war alles vertreten, was gut mundet und eine ordentliche Wirkung erziehlt. Viele Gäste stellten sich der Reihe nach vor und überbrachten Glückwünsche und Grüße ihrer eigenen Lehnsherren, auf daß der Baronie Weinheim eine gute Zukunft beschert sei.

Es wurde viel gelacht, gewürfelt und geredet. Auch so manches Spiel für die höhere Gesellschaft erzeugte große Erheiterung unter den Gästen, die ob des vielen Alkohols guter Stimmung waren.






Der Baron brachte jedoch noch eine alte Kiste aus dem finsteren Keller der Burg, um sie öffnen zu lassen. Er selbst wusste nicht, welchen Inhalt sie hatte. Und wirklich schaffte es ein Gast, das Schloß zu überlisten und die Truhe zu entriegeln. Doch sein Verstand riet ihm dazu, die Kiste nicht zu öffnen, was erst durch den mutigen Barbaren Crong geschah, der offensichtlich weniger Bedenken hatte.

Zur Belohnung für seinen Mut fiel er wie vom Schlag gerührt zu Boden und mußte erst von den besorgten Anwesenden geweckt werden. Er berichtete von einer Vision, die er hatte. Er sah einen Baum vor dem Burgtor, an dem sich etwas befinden sollte.


Mit entfachter Neugier und ohne größere Überlegung eilten daraufhin viele der Gäste zu diesem Baume, an dem sie einen Totenschädel entdeckten. Der erste Wagemutige langte auch sogleich nach diesem Kleinod an toten Knochen, doch er hatte nicht lange Freude dabei. Denn kurz bevor seine Finger den toten Kopfrest erreichten, erschien ein unheimlicher Wächter an dessen Stelle. Er hatte als Kopf auch nur einen Knochenschädel, sah aber um Einiges lebendiger und gefährlicher aus, als der schnöde Überrest eines Menschen, der dort eben noch lag.










Mit einem großen Schwert vertrieb er die Leute aus seinem direkten Umkreis, so als verteidigte er den Platz an dem knorrigen Baum. Die in Überzahl vorhandenen Helden waren sichtlich beruhigt, dass sie es nur mit einem einzigen Gegner zu tun hatten, und gingen frohen Mutes daran, ihn zu beseitigen.

Doch leider erwiesen sich die heldenhaft ausgeführten Angriffe der Übermacht als ernüchternd wirkungslos. Keine Klinge konnte dem Untoten ein Leid tun, während dieser einiges an deftigen Hieben austeilte. Man kam unter den Gästen überein, dass es im Inneren der Burg doch wärmer sei, als vor dem Tor an diesem knorrigen Baume und bei diesem nicht zu tötenden Untoten. Außerdem schien der Störenfried nur an diesem Platz eine Gefahr darzustellen. Und so zog man sich zu weiteren Beratungen und einigen Gläsern guten Weines in die Burg zurück. Ein paar der Anwesenden widmeten sich großen Herausforderungen wie der Erlernung von Würfelspielen oder dem Singen von Liedern. Nur ein paar unverbesserlich fleißige Leute begutachteten die Truhe und ihren Inhalt. Man fand so einige Schriftrollen und ging daran, sie zu lesen, was aber wegen ihrer großen Zahl eine lange Zeit in Anspruch nehmen würde.

Die Nacht war aber auch schon spät und man begab sich zur Ruhe. Kaum war aber die fahle Sonne über die Berge geklettert, sammelte man sich auch schon wieder beim geselligen Frühstück. Dabei stellte sich heraus, dass der reichliche Genuß des Weines aus dem Faß noch eine lang anhaltende und brummende Wirkung im Kopf des Geniessenden hinterließ. Es handelte sich hierbei um eine Kostprobe von vulpanischem Schädelknacker, der nur selten aufzutreiben ist, und eigentlich auch eher als Medizin zum Abtöten von Krankheiten oder als hinterhältige Waffe gegen feindliche Heere benutzt wird.

Einigen Gästen lag noch immer das Problem mit dem Untoten am Baume vor dem Burgtor auf der Seele. Und so beschlossen einige Waagemutige, ihn zu überlisten. Man hatte beobachtet, daß der Wächter keine Unbewaffneten angriff. Fredo Fuxfell war der Freiwillige, der sich ihm ohne Waffe und ohne Rüstung entgegenstellte. Doch solcher Mut wird leider nicht immer belohnt, und der Wächter traf ihn mit voller Wucht mit seinem Schwert. Einige Verbände und Diskussionen später machte man einen neuen Versuch. Wohlwissend, daß der Untote jeden angreift, der in seinen Umkreis vordringt, wollte man ihn durch einen Trick ablenken.
Zwei gepanzerte Recken mit Schilden gingen auf den Schädel zu und weckten so den Wächter. Sie lockten ihn einige Schritte vom Baum weg. Während dessen konnte Fredo sich von hinten an den Baum anschleichen, und eine Schriftrolle entwenden, die dort versteckt lag. Der Geist war darüber sehr wütend und jagte den kleinen Fuxfell bis zu seinen Beschützern. Leider ergab auch dieser blutig erkaufte Zettel keinen Hinweis, wie der Wächter zu besiegen war.

Eine Gruppe von kurzentschlossenen und spontanen Magiern entschieden sich dafür, den Geist in einem Bannkreis zu fangen, um dann herauszufinden, wie er zu besiegen sei. Mit der ihnen eigenen Behendigkeit schafften sie einen perfekten Kreis als Falle auf dem Boden.
Die weniger magieerfahrenen Kämpfer stellten sich als Köder zur Verfügung, um den Untoten in den Kreis zu locken. Der Plan gelang sogar, aber die Auslöschung des Wesens ließ noch auf sich warten. Und zwar genau so lange, bis Meister Liquid auf die Idee kam, ihn mit magischen Kräften zu attackieren.
Ein paar Wassergeschosse und eine kleine Rauchentwicklung später, blieb vom ehemals gefürchteten Käsegesicht nur noch eine merkwürdig aussehende Steinscheibe übrig. Sie hatte Symbole auf ihrem Rand eingezeichnet, ein Loch in der Mitte und paßte auf ein Podest, das auf dem Burghof stand. Jedoch konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, ob irgendwelche verborgenen Mechanismen durch sie ausgelöst werden konnten.

Wieder waren es die Magier, die magische Kraftlinien fanden, die von der Burg aus in den umgebenden Wald führten. Durch den Kampferfolg mit viel Mut ausgestattet und auch mit magischen Waffen versorgt, bildete sich schnell ein Beseitigungskommando, welches sich der übrigen Untoten annehmen wollte, die dort noch vermutet wurden.
Und so fanden sie auch wieder einen Schädel im Wald, an dessen Stelle ein weiterer Wächter erschien, sobald man sich dem Totenkopf näherte. Schon mit fast einem fröhlichen Liedchen auf den Lippen besiegten jedoch die Helden den Geist. Von neuem verwandelte er sich in Rauch und ließ eine weitere Steinscheibe zurück, die jedoch etwas größer war als die erste.
Mit der Beute zurück in der Burg bestimmten die Magiekundigen die Richtung zum dritten und letzten Wächter. Der Weg war mühsam und das Versteck gut getarnt, doch schließlich fand die Gruppe von Ordnungshütern die Lagerstelle des Schädels. Zu ihrem Pech lag er jedoch in einer Senke, so dass derjenige, der ihm nahe kommen musste, um den Wächter zu wecken, nicht mehr rechtzeitig fliehen könnte.
Ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit und mit der sicheren Überzeugung, sehr viele Heiler in seiner Umgebung zu haben, meldete sich Ranoka sogleich für die mutige Aufgabe, dem Ungeheuer Auge in Auge gegenüber zu treten. Nach der Erweckung des Untoten konnte er tatsächlich nicht mehr aus der Reichweite des Wächters fliehen, und mußte Treffer um Treffer hinnehmen, bevor seine Kameraden von außerhalb den Geist besiegen konnten. Mit der letzten Steinscheibe ausgerüstet konnte nun das Geheimnis der Burg gelüftet werden. Dachte man sich jedenfalls so...

In der Truhe des Barons waren ja nun denn unzählige Schriftrollen, die alle der Reihe nach gelesen wurden. Gedichte, Rätsel und allerlei unnützer Kram wurde zu Tage gefördert. Nach einem dieser Rätsel konnte man dann die drei Steinscheiben auf dem Podest untereinander ausrichten. Mit Qualm, Gestank und einem dumpfen Grollen erschien daraufhin ein Geist. Er war in Lumpen gehüllt, die auch das Gesicht verdeckten und hatte einen Totenschädel an einer Kette in der Hand. Die Versuche, mit ihm zu reden endeten nicht sehr gut, deshalb verlagerte man sich auf stählerne Silben. Jedoch war dieser Geist nicht wie die Untoten im Wald durch magische Waffen zu beeindrucken. Vielmehr konnte er sogar mit dem Schädel einen Untoten herbeirufen, der dann gegen die Gäste losging. Da der Geist das Podest verteidigte, konnten die Helden etwas weiter weg überlegen, wie man diese Kreatur besiegt.

Hier halfen auch wieder einige der unzähligen gefundenen Schriften weiter. Der ehemals lebende Mensch des Geistes, also derjenige, dessen Tod erst die Kreatur, die Untoten und die Unannehmlichkeiten für die Anwesenden, geschaffen hatte, hatte in seinem Leben einige Angst vor verschiedenen elementaren Kräften. So etwa Wind, Feuer und Wasser.







Glücklicherweise hatten die Helden ja, wie schon oben erwähnt, eine kompetente und erfahrene Magiertruppe in ihrer Werkzeugtasche, so dass ein Windstoß, ein Wassergeschoß und ein Feuerball keiner großen Anstrengung bedurften. Flugs war der Geist komplett entgeistert auf der Flucht vor dieser Macht. Zum Vorschein kam ein magischer Anhänger, der für einige Leute recht wertvoll aussah.
Allein die Verteilung gestaltete sich schwierig, da so viele Gäste tatkräftig an der Lösung des Problems mit den Untoten und Geistern mitgewirkt hatten, jedoch nur ein einziger Anhänger als Lohn übrig blieb. Der Vorschlag, den Anhänger zu verkaufen, und den Gewinn zu teilen, wurde abgelehnt, und statt dessen von Baron Nevin von Weinheimer Crong zum rechtmässigen Eigentümer erklärt, da er die Kiste geöffnet hatte, und er daher das erste Glied in der Kette war.

Nunja, ein Baron wäre kein Baron, wenn seine Entscheidungen nicht sogleich Entrüstung und Unverständnis auslösen würden. So hätte man den Anhänger auch Fredo zusprechen können, der das Schloß der Truhe geöffnet hat, oder etwa einem der Helden, die mit ihren Waffen die Untoten und den Geist bekämpft haben. Letztendlich hatte Crong das Kleinod gar nicht behalten, und es, ob seiner Abneigung gegenüber magischen Schnickschnacks, lieber an Meister Joran weiterverschenkt.

Doch nicht nur die Zuteilung des magischen Schmuckstückes war eine Entscheidung des Grafen, die nicht auf ungeteilte Zustimmung fiel. So befand sich unter den Gästen ein steckbrieflich gesuchter und zum Tode verurteilter Schwarzmagier. Einer der Anwesenden hatte sogar den betreffenden Steckbrief dabei, ein anderer hatte geschichtliche Aufzeichnungen über die Verbrechen des Schwarzmagiers parat. So viel Zufall verlangte sogleich nach einer Verhaftung und einem Gerichtsverfahren - gegen den Schwarzmagier, natürlich.


Dieser Thargo genannte Schuft wurde also von Söldnern überwältigt und festgesetzt. Man berief ein Gericht unter dem Vorsitz von Baron Nevin von Weinheimer ein, und lud alle Gäste ein, dem beizuwohnen. Thargo wurde die Anklage vorgelesen. Er hatte in seiner Heimat Hochverrat, Mord, Betrug, Putsch und schwarze Magie zum Machterhalt betrieben. Nach einer kurzen und dunklen Periode konnte er aber damals überwältigt werden und war seitdem auf der Flucht - in seiner Abwesenheit zum Tode verurteilt und für vogelfrei erklärt.











Der Schwarzmagier hörte sich die Anklage an, sowie die Berichte über seine Schandtaten, und gestand freimütig alle ihm vorgeworfenen Vergehen. Er machte sich über die Einfältigkeit der guten Menschen lustig, die er mit seiner Macht überwältigt und beherrscht hatte. Für viele der Gäste war dieses Geständnis ein grausamer Bericht von Niedertracht. Kurzum, als es dann zur Verkündung des Urteils durch den Baron über Thargo ging, überraschte Nevin von Weinheimer die Anwesenden mit einem Novum.
Nicht er wollte über das Schicksal des Angeklagten entscheiden, sondern die Gäste sollten dies durch eine Abstimmung tun. Aus den drei Alternativen, Tod, Freispruch und Auslieferung in die Heimat, wurde dann die salomonische Mitte gewählt, und Thargo in seine Heimat überführt. Der eine oder andere unter den Anwesenden hätte sich sicher gewünscht, dass der Baron seine Rolle als Gesetzesvertreter etwas direkter ausfüllt und Thargo zum Tode verurteilt hätte.

Wieder mehr Freude brachte das mit hohem Preisgeld dotierte Duell, zu dem alle Krieger und Kriegerinnen eingeladen waren. Im wortwörtlichen KO-System wurde schließlich der edle Brin von Stolzenfels als der beste Kämpfer ermittelt, was man auch ohne großes Brimborium hätte sagen können, da er eine Statur hat, die schon vom Anblick her einschüchternd ist. Eine Kuriosität bot dabei allerdings auch der Faustkampf von Fredo Fuxfell gegen Crong, der darin endete, daß Crong sich Fredo unter den Arm klemmte und einfach mitnahm.

Auch unbedingt erwähnenswert ist die Gründung der Reisenden von Tamar durch Ranoka. Wenn der überlegte Leser jetzt denkt, dass hier ganz groß mit Holzlatten vom Gartenzaun gewunken wird, so hat er damit recht. Ranoka ermunterte seine Weggefährten dazu, einem Bund beizutreten, um sich gegenseitig zu schützen und beizustehen.

Als Zeichen zur Zugehörigkeit wurden Gürtelanhänger verteilt, die ein kupferfarbenes geschwungenes T darstellen. Mit einem guten Wein wurde der Schwur besiegelt. Die halbvolle Flasche hat sich dann später der Baron noch unter den Nagel gerissen, aber darüber auch später nicht noch mehr...






Das Fest klang mit einem munteren Grillfest aus, bei dem für das leibliche Wohl gut gesorgt wurde, und auch der Alkohol nicht zu knapp floß. Mehrere leicht angeheiterte Gäste sorgten mit ihren unfreiwilligen Einlagen für tobenden Applaus. So fand auch dieses Abenteuer ein gutes und gemütliches Ende und alle kehrten mit weitgehend frohen Erinnerungen nach Haus zurück.



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